Bochum/Aachen : Das Rheinische Revier verändert sich tiefgreifend. Spätestens 2030 endet die Kohlegewinnung in den Braunkohletagebauen. Bereits 2029 wird das Kohlekraftwerk Weisweiler stillgelegt, das heute Fernwärme für Aachen und Inden zur Verfügung stellt.
Erdwärme für das Rheinische Revier?
Geothermie hat das Potential, signifikant Heiz- und Prozesswärme in der Region beizusteuern. So vermuten Forschende des Fraunhofer IEGs ein Potenzial von 2,8 TWh Wärme allein in ihrem wissenschaftlichen Aufsuchungsfeld. Damit könnten Jahr für Jahr ca. 200.000 Haushalte versorgt werden. Das Beispiel München zeigt den Erfolg von Erdwärme: Dort wollen die Stadtwerke bis spätestens 2040 den überwiegenden Bedarf an Fernwärme mit Erdwärme decken.
Erdwärme – politisch gewollt
Erdwärme ist auch politisch gewollt – das zeigt das Geothermiebeschleunigungsgesetz, sowie der Masterplan Geothermie NRW. Denn Geothermie ist eine lokale, regenerative, flächenschonende und zukunftssichere Energieform. Das größte Hindernis auf dem Weg zur Erdwärme ist das Fündigkeitsrisiko, denn im Rheinischen Revier ist die Datenlage über den tiefen Untergrund eher gering. In diese Lücke stößt das Reallabor Geothermie Rheinland: In einem ca. 3502 Kilometer großen wissenschaftlichen Aufsuchungsgebiet zwischen Aachen, Jülich und Düren will das Fraunhofer IEG den Untergrund untersuchen – gefördert durch Bund und Land NRW mit 52 Mio. Die so gewonnenen Daten stehen öffentlich zur Verfügung und bieten eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Energieversorger, Kommunen und Unternehmen.
Das Förderprojekt läuft vom 1.1.2025 bis zum 31.12. 2028. Assoziierte Projektpartner sind RWE und STAWAG sowie die RWTH Aachen und die Ruhr-Universität Bochum (RUB).
Sozialwissenschaftliches Begleitforschung
Die Wärmewende im Rheinischen Revier ist eingebettet in den Strukturwandel und damit in einen umfassenden gesellschaftlichen Transformationsprozess. Daher begleitet die RUB das Reallabor aus sozialwissenschaftlicher Perspektive und erforscht dort Fragen der Akzeptanz von Geothermieprojekten. Ziel der Begleitforschung ist es, einen gesellschaftlichen Diskurs anzustoßen, Einstellungen von Bevölkerung, Kommunen und Unternehmen zu erforschen sowie zu verstehen, wie sich diese Einstellungen bilden. Im Rahmen des Begleitprojektes sind mehrere Veranstaltungen geplant, um Wissen zur Tiefengeothermie und ihrer Rolle in der Wärmewende zu vermitteln und gemeinsam mit der Bevölkerung Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Aus den Erkenntnissen der Begleitforschung werden Empfehlungen an Projektträger und Kommunen für zukünftige Infrastrukturvorhaben abgeleitet.
Das Projekt ist gefördert von Bundesmitteln aus dem STARK Förderprogramm und läuft insgesamt vom 18.11.2025 bis 17.11.2029.
Direkt neben dem Kraftwerk Weisweiler will das Fraunhofer IEG eine erste Forschungsbohrung abteufen
